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Bericht über Veranstaltung zum Thema Kinderarmut 29.04.09
Kinder, die in Armut aufwachsen, tragen bis ins Erwachsenenalter hinein
ein größeres Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen, sie haben
schlechtere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und weniger
soziale Teilhabe, so der Diplompsychologe Georg Rammer, beschäftigt in
der aufsuchenden Familienarbeit/ Karlsruhe. Per Definition gilt als arm
bzw. armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren
Einkommens verdient. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei
Kindern unter 14 Jahren wird die Grenze mit 1640 Euro berechnet. Die
Grüne Liste Weingarten hatte, auch vor dem Hintergrund einer sich
verschärfenden Wirtschaftskrise, zum Thema "Kinderarmut in Deutschland"
Verantwortungsträger aus Schule, Jugendarbeit und Politik eingeladen.
Dass Armut nicht ausschliesslich materielle Entbehrung bedeutet,
schilderte eindrücklich Fr. Lichtl als Vertreterin des Caritasverbands
Bruchsal. Sie arbeitet als Quartiersmanagerin in einem Stadtteil, der
als sozialer Brennpunkt gilt. Ihre Erfahrungen im Kinder und
Jugendzentrum, sowie der Tafel sind auch geprägt von Ausgrenzung und
Isolation, davon, dass Fördern und Fordern durch das Elternhaus fehlt,
die Kinder keine Zukunftsperspektive sehen und es dadurch zu einer
Depression innerhalb der Familen, ja eines ganzen Stadtteils kommt. Wird
dieser Teufelskreislauf nicht durchbrochen, werden aus armen Kindern
arme Erwachsene. Diese Eltern zu erreichen, dazu bedarf es viel mehr als
nur finanzielle Mittel, pflichtete Sonja Weiß, Lehrerin der
Turmbergschule bei. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, Frau Malcher, wünscht
sie sich, dass Kinder, unabhängig vom Einkommen der Eltern ihre
Potentiale entfalten können. In ihrer Schule werde darauf geachtet keine
teuren Ausflüge oder Klassenreisen zu unternehmen, die Augen offen zu
halten für Nöte bei Schülern und Eltern. Ein engagierter Förderverein
stehe bei Problemen unbürokratisch zur Seite. Für eine Anhebung der
Regelsätze, einer einkommensunabhängigen Grundsicherung für Kinder von
etwa 330 Euro und mehr Bildungsgerechtigkeit sprach sich die
bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Frau Renate
Rastaetter, aus. Sie plädiert für den Ausbau Früher Hilfen, um
elterliche Ressourcen zu stärken, die Ganztagsschule mit längerem
gemeinsamen Lernen und individueller Förderung solle verbindlich
eingeführt und das überholte dreigliedriges Schulsystem endlich
abgeschafft werden.
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